Die Gründung des ÖAJV

Die Einsatzbereitschaft war schier unerschöpflich. In diesem Rahmen können nicht alle Aktivitäten aufgezählt werden, die in dieser kurzen Zeit gesetzt wurden, um Judo zu verbreiten und weiterzuentwickeln. Die Eingliederung in den Kraftsportverband war jedoch für viele Judoka unbefriedigend, man wollte seine Sportart selbst vertreten. Dazu war eine eigene speziell für Judo geschaffene Organisation notwendig. Am 30. September 1947 fand daher die erste Besprechung zur Gründung eines eigenen Judo-Verbandes in den Räumlichkeiten des Österreichischen Sportlehrerverbandes (ÖSLV) in Wien 8., Fuhrmannsgasse 18a, statt.

Prof. Franz Nimführ

An dieser Besprechung nahmen die Herren Heinz Kowalski, Franz Nimführ, Leopold Wunsch, Anton Papetz, Josef Kühr Sen., Anton Hegenbart, Edmund Gabriel, Josef Kühr Jun. und Prosper Buchelle Sen. teil. Beschlossen wurde die Ausarbeitung eigener Statuten und es wurden die Proponenten ermittelt. Die Wahl fiel auf die Herren Josef Kühr Sen., Prosper Buchelle Sen. und Franz Nimführ . Noch im Oktober dieses Jahres wurden dann die Statuten eingereicht und mit 2. Dezember 1947 erging der Bescheid der Sicherheitsdirektion von Wien (SD/23360/47) mit dem die Bildung des „Österreichischen Amateur Judo Verbandes (ÖAJV)” genehmigt wurde. Das Sekretariat des ÖAJV befand sich damals in den Räumen des ÖSLV. Damit beginnt die eigenständige Entwicklung des Judo in Österreich.

1948 nahm der Verband offiziell seine Tätigkeit auf und schied aus dem Kraftsportverband aus. Zum ersten Präsidenten wurde Heinz Kowalski gewählt. Der Verband umfaßte 1947/48 etwa 200 Mitglieder. Als erste „Amtshandlung” des jungen Verbandes beschloß man, der Europäischen Judo-Union (EJU) beizutreten. Die inoffizielle Gründung der EJU erfolgte am 26. Juli 1948 in London. Zu dieser „Gründungsversammlung” wurden die Herren Franz Nimführ und Prosper Buchelle entsandt. Die offizielle Gründung der EJU sollte dann am 29. Oktober 1949 in Holland stattfinden (diese damals gegründete EJU wurde 1952 in die Internationale Judo-Föderation [IJF] umgewandelt und zum gleichen Zeitpunkt die heute bestehende EJU gebildet). Außerdem wurde die Durchführung einer Verbands-Sommerschule nach dem Vorbild der Schweiz und Deutschland beschlossen. Der erste derartige Lehrgang wurde vom 20. bis 26. Juni 1948 in der Bundessportschule Schielleiten unter der Leitung des in der Schweiz lebenden Koreaners Dr. Hanho Rhi abgehalten. Ein Jahr später wurde der Sommerlehrgang bereits in Zusammenarbeit mit der Bundesanstalt für Leibesübungen (BAfL) durchgeführt und dauerte drei Wochen. In den weiteren Jahren waren immer wieder große Meister als Vortragende bei diesem Lehrgang, den es bis heute gibt, tätig. Neben Dr. Hanho Rhi waren dies vor allem Noritomo Otani, Fukuda, Tokio Hirano, Kazuzo Kudo, Skokichi Natsui, Mahito Ogho, Gé Koning, Anton Geesink und viele mehr.

Zwei Jahre nach seiner Gründung, 1950, konnte der ÖAJV stolz berichten, daß neun Vereine (davon 7 aus Wien und 2 aus Salzburg) und insgesamt 800 Judoka gemeldet sind. In diesem Jahr wurde Heinz Kowalski durch Karl Nagl als Präsident des Verbandes abgelöst. Dem ÖAJV bzw. später ÖJV standen bisher folgende Präsidenten vor:

1948-1950: Heinz KOWALSKI (damals noch ÖAJV)
1950-1954: Karl NAGL (damals noch ÖAJV)
1954-1955: A. BAUMGARTLINGER (damals noch ÖAJV)
1955-1960: Franz NIMÜHR (bis 1958 noch ÖAJV, dann ÖJV)
1960-1962: Ivan WELTER
1963-1967: Karl KODON (das Amt wurde von ihm aber bereits 1962
übernommen nach dem Tod von WELTER)
1967-1987: Prof. Kurt KUCERA (ab 1987 Ehrenpräsident des ÖJV)
1987-1988: Franz ORTNER (von 1986-1987 geschäftsführender Vizepräsident)
1989-1991: Josef HERZOG
1991-1998: Siegfried SPENNLINGWIMMER
1998-2001: Franz HAUGENEDER (bis 1999 interimistisch)
2001-2002: Dr. Hans LEHOFER
2002-2004: Franz HAUGENEDER
2005- Dr. Hans-Paul KUTSCHERA

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