Europameisterschaften | Österreichischer Judoverband

Europameisterschaften

Männer

Die hervorragende Stellung des Judo im gesamt österreichischen Sport zeigte sich schon sehr früh. Und der Lohn der großen Anstrengungen und Mühen sollte sich bald auch auf internationaler Ebene einstellen. 1951 wurde in Paris die erste Europameisterschaft nach dem Weltkrieg abgehalten. In der Fachzeitschrift des ÖJV, Nr. 8/1969, erinnerte sich Dr. Paul Kunischan dieses Ereignis (versehentlich nennt er als Jahr 1949):

„…Auf dem Weg zu diesen Erfolgen muß man sich noch die Schwierigkeiten vor Augen halten, unter denen wir damals Judo machten. Zu der Europameisterschaft 1949 fuhren wir 24 Stunden lang dritter Klasse nach Paris und brachten dennoch Spitzenleistungen. Wir trainierten damals zumeist in dunklen, unhygienischen Kellerlokalen, nach dem Training gab es nicht einmal Waschgelegenheiten. Es war so viel Begeisterung da, daß wir diese und noch mehr Opfer brachten.…Aber der Lohn für diese Opfer blieb nicht aus. Jahrelang waren wir auf der Matte ungefährdet, es war für uns eine Selbstverständlichkeit zu gewinnen. Heute fehlt diese Persönlichkeit auf der Matte.…”

Robert Jaquemond

Unter solchen Voraussetzungen beeindrucken uns die frühen Erfolge noch mehr. Einer dieser großartigen Leistungen kam 1952 bei der zweiten Europameisterschaft – ebenfalls in Paris – zustande. Robert Jaquemond gewann die „2. Dan-Klasse” und eroberte so den ersten Europameistertitel für Österreich. 1958 erkämpfte Walter Gauhsin Barcelona (Spanien) den zweiten europäischen Titel. Bisher konnten folgende Österreicher einen Europameistertitel erringen:

Robert JAQUEMOND 1952 Paris 2. Dan-Klasse
Walter GAUHS 1958 Barcelona Mittelgewicht
Robert KÖSTENBERGER 1982 Rostock bis 95 kg
Peter SEISENBACHER 1986 Belgrad bis 86 kg
Norbert HAIMBERGER 1992 Paris bis 71 kg
Patrick REITER 1995 Birmingham bis 78 kg
Ludwig PAISCHER 2004 Bukarest bis 60 kg
Ludwig PAISCHER 2008 Lissabon bis 60 kg

Die Bilanz der Plazierten bei Europameisterschaften kann sich sehen lassen:

  • Paul KUNISCH wurde 1959 in Wien Vizeeuropameister im Mittelgewicht.
  • Benno RIGGER wurde 1960 in Amsterdam Dritter.
  • 1961 holt Paul KUNISCH in Mailand abermals im Mittelgewicht (-80 kg) die Silbermedaille.
  • Karl REISINGER wurde 1964 in Ost-Berlin im Leichtgewicht „open” sensationell Vizeeuropameister.
  • 1965 wurde Manfred PENZ in Madrid in der Klasse -70 kg Dritter.
  • Erich BUTKA holte 1968 in Lausanne Bronze.
  • 1969 wurde Erich BUTKA in Ostende im Schwergewicht (über 80 kg) Dritter.
  • Klaus WALLAS wurde 1976 in Kiew Fünfter im Schwergewicht und verpaßte nur knapp eine Medaille.
  • 1979 in Brüssel wurden Josef REITER (bis 60 kg) und Robert KÖSTENBERGER (bis 95 kg) jeweils Dritte.
  • Josef REITER (bis 60 kg) und Peter SEISENBACHER (bis 86 kg) errangen 1980 in Wien jeweils den 2. Platz und wurden Vizeeuropameister.
  • Josef REITER holte 1981 in Debrecen die Bronzemedaille in der Klasse bis 65 kg.
  • 1983 in Paris wurde Peter SEISENBACHER abermals Vizeeuropameister in der Klasse bis 86 kg.
  • Peter SEISENBACHER (bis 86 kg) und Robert KÖSTENBERGER (bis 95 kg) holten 1984 in Lüttich jeweils Bronze.
  • Peter SEISENBACHER belegte 1985 in Hamar den 3. Platz in der Klasse bis 86 kg.
  • 1986 in Belgrad wurde Peter SEISENBACHER nicht nur Europameister in Klasse bis 86 kg sondern holt sich noch die Silbermedaille in der Allkategorie. Er ist damit der erste Mittelgewichtler, dem dieses Kunststück gelingt.
  • Peter REITER (bis 78 kg) und Peter SEISENBACHER (bis 86 kg) wurden 1987 in Paris Dritte.
  • Peter REITER (bis 78 kg) und Peter SEISENBACHER (bis 86 kg) holten auch 1988 in Pamplona Bronze.
  • Patrick REITER wurde 1994 in Danzig in der Klasse bis 78 kg Dritter.
  • Thomas SCHLEICHER eroberte 1995 in Birmingham in der Klasse bis 71 kg den dritten Platz.
  • Thomas SCHLEICHER wurde 1996 in Den Haag in der Klasse bis 71 kg Zweiter und Patrick REITER (bis 78 kg) und Sergej KLISCHIN (bis 86 kg) wurden je Dritte.
  • Franz BIRKFELLNER wurde 2000 in Wroclaw (Breslau) in der Klasse bis 100 kg Dritter.
  • 2003 holte Ludwig PAISCHER in Düsseldorf (GER) in der Klasse bis 60 kg Bronze.
  • Ludwig PAISCHER wurde 2005 in Rotterdam (NLD) in der Klasse bis 60 kg Zweiter.
  • In Tampere (FIN) holten 2006 Ludwig PAISCHER in der Klasse bis 60 kg und Andreas MITTERFELLNER in der Klasse bis 66 kg jeweils Bronze. Franz BIRKFELLNER wird in der 100-kg-Kategorie Siebenter.
  • 2009 konnte Lduwig PAISCHER in Tiflis seinen EM-Titel in der Klasse bis 60 kg zwar nicht verteidigen, belegte aber dennoch Rang drei und eroberte in dieser Kategorie noch die Bronzemedaille.
  • Bei der Heim-EM 2010 im Wiener Ferry Dusika-Stadion belegen Ludwig PAISCHER in der Klasse bis 60 kg den 2. Platz und Andreas MITTERFELLNER in der Klasse bis 66 kg den 3. Platz. Max SCHIRNHOFER verpasst in der Klasse bis 90 kg mit Rang fünf nur knapp eine Medaille.
  • Peter Scharinger konnte 2011 in Istanbul in der Klasse -73 kg mit einem 5.Platz aufzeigen.

Und diese Aufzählung ließe sich noch mit den Erfolgen bei den Nachwuchseuropameisterschaften fortsetzen. Hier seien nur die bisherigen Europameister genannt.

1972 – Junioren-EM in Leningard – Klaus WALLAS im Halbschwergewicht
1974 – Junioren-EM in Tel Aviv – Ernst STEINICKE im Weltergewicht
1974 – Junioren-EM in Tel Aviv – A. REICHL im Halbschwergewicht
1992 – Junioren-EM in Jerusalem – Thomas SCHLEICHER bis 71 kg
1995 – Junioren-EM in Valladolid – Eric KRIEGER über 95 kg
2011 – Junioren-EM in Lommel – Daniel ALLERSTORFER über 100 kg

Ergänzend seien auch noch die Versehrten-Europameisterschaften genannt, bei denen ein Österreicher besonders heraussticht. Es ist dies Walter Hanl, der den Europameistertitel bei den Sehbehinderten 1993 in Paris (Frankreich), 1995 in Valladolid (Spanien), 1997 in Cità de Castello (Italien) und 1999 in Mittersill (Österreich) im Schwergewicht holte.

Frauen

Auch in der EJU machte man sich darüber Sorgen, ob nicht der Wettkampf für Frauen zu große gesundheitliche Risiken berge. Dennoch beschloß man für Oktober 1974 in Genua (Italien) ein internationales Turnier für Frauen abzuhalten. Dies war der erste Schritt zu einer Europameisterschaft. Die Bedenken der „Fachmänner” wurden schon 1973 in Bratislava (Jugoslawien) bei einem international besetzten Turnier in die Irre geführt. So kam es, daß die erste Europameisterschaft für Frauen im Jahre 1975 in München zur Austragung kam. Die Österreicherinnen spielten von Anfang an eine entscheidende Rolle im europäischen Judo. Seit Paris 1987 werden die Europameisterschaften für Frauen und Männer gemeinsam organisiert. Folgende Athletinnen konnte bisher Europameistertitel für Österreich erringen:

 

Edith HROVAT
  • 1975 München bis 48 kg
  • 1976 Wien bis 52 kg
  • 1977 Arlon bis 52 kg
  • 1978 Köln bis 52 kg
  • 1979 Kerkrade bis 52 kg
  • 1981 Madrid bis 52 kg
  • 1982 Oslo bis 52 kg
  • 1984 Pirmasens bis 52 kg
Dr. Gerda WINKLBAUER
  • 1978 Köln bis 56 kg
  • 1979 Kerkrade bis 56 kg
  • 1980 Udine bis 56 kg
  • 1981 Madrid bis 56 kg
  • 1983 Genua bis 56 kg
Herta REITER
  • 1982 Oslo bis 61 kg
Edith SIMON
  • 1982 Oslo bis 66 kg und
  • 1982 Oslo Allkategorie
Sabrina FILZMOSER
  • 2008 Lissabon bis 57 kg und
  • 2011 Istanbul bis 57 kg

Die Bilanz der EM-Medaillen bei den Frauen steht auf keinen Fall hinter jener der Männer zurück:

  • Dr. Gerda WINKLBAUER (bis 52 kg) und Jutta REIFGRABER (bis 56 kg) holten 1975 in München je Bronze.
  • Dr. Gerda WINKLBAUER wurde 1976 in Wien in der Gewichtsklasse bis 52 kg Zweite, ebenso wie Marianne JIRKAL (heute besser bekannt als Marianne PROMEGGER) in der Klasse bis 72 kg.
  • 1976 in Arlon belegten Margit SCHMUTZER (über 72 kg) und Theresia SCHROTH (Allkategorie) jeweils den 2. Platz und werden Vizeeuropameisterinnen.
  • Margit SCHMUTZER konnte auch 1978 in Köln den 2. Platz in der Klasse über 72 kg erringen.
  • Susanne LITSCHER (bis 72 kg) und Margit SCHMUTZER (über 72 kg) wurden 1979 in Kerkrade je Dritte.
  • Edith HROVAT wurde 1980 in Udine Dritte in der Klasse bis 52 kg.
  • Edith SIMON (bis 66 kg) und Karin POSCH (bis 72 kg) wurden 1981 in Madrid jeweils Dritte.
  • 1983 in Genua belegten Edith HROVAT (bis 52 kg), Herta REITER (bis 61 kg), Gertrude KRANZL (bis 66 kg) und Karin POSCH gleich zweimal (bis 72 kg und Allkategorie) jeweils den dritten Platz.
  • Dr. Gerda WINKLBAUER (bis 56 kg) und Roswitha HARTL (bis 66 kg) holten 1984 in Pirmasens Silber.
  • 1985 in Landskrona eroberten Dr. Gerda WINKLBAUER (bis 56 kg), Roswitha HARTL (bis 66 kg) und Karin POSCH (Allkategorie) jeweils Silber. Brozemedaillen gingen an Edith HROVAT (bis 52 kg) und Karin POSCH (bis 72 kg).
  • 1986 in London holten Edith HROVAT (bis 52 kg) und Roswitha HARTL (Allkategorie) jeweils Silber.
  • Edith HORVAT (bis 52 kg) wurde 1987 in Paris Zweite.
  • Renate LEHNER (bis 61 kg) und Roswitha HARTL (bis 66 kg) holten 1988 in Pamplona jeweils Bronze.
  • Susanne PROFANTER (bis 61 kg) holte 1991 in Prag die einzige Medaille, und zwar die Bronzene.
  • Anneliese ANGELBERGER holte sich 1994 in Danzig in der Gewichtsklasse bis 66 kg die Silbermedaille.
  • 1995 in Birmingham eroberte Doris PÖLLHUBER in der Klasse bis 72 kg den Dritten Platz.
  • erst 6 Jahre später, 2001 in Paris, konnte Claudia HEILL wieder über Edelmedall jubeln: 2.Platz in der Klasse -63 kg und Mariella SPACEK erkämpfte Bronze -70 kg.
  • 2002 belegte Claudia HEILL bei der EM in Maribor (SLO) in der Klasse bis 63 kg den Dritten Platz.
  • 2003 in Düsseldorf eroberten Sabrina FILZMOSER (bis 57 kg), Claudia HEILL (bis 63 kg) und Silvia SCHLAGNITWEIT (bis 70 kg) jeweils Bronze.
  • Claudia HEILL (bis 63 kg) holte 2005 in Rotterdam (NLD) Silber, Sabrina FILZMOSER (bis 57 kg) gewann Bronze und Marianne MORAWEK (bis 78 kg) belegte den ausgezeichneten fünften Rang.
  • Sabrina FILZMOSER holte 2006 in Tampere (FIN) in der Klasse bis 57 kg ebenfalls eine Bronzemedaille für Österreich.
  • 2007 belegen in Belgrad (SCR) Sabrina FILZMOSER in der Klasse bis 57 kg und Claudia HEILL in der Klasse bis 63 kg jeweils Platz 3.
  • Bei der Heim-EM 2010 im Wiener Ferry Dusika-Stadion holt Sabrina FILZMOSER in der Klasse bis 57 kg die Silbermedaille.
  • In Istanbul 2011 freute sich Hilde DREXLER über Bronze.

Auch hier ließe sich die Aufzählung durch die Erfolge bei den Nachwuchseuropameisterschaften noch um einiges ergänzen. Ich will hier nur die Europameisterinnen anführen.

1986 – Junioren-EM in Leonding – Susanne PROFANTER bis 52 kg
1987 – Junioren-EM in Wrozlaw – Susanne PROFANTER bis 61 kg
1991 – Junioren-EM in Pieksämäki – Alexandra RINNERTHALER bis 52 kg
1991 – Junioren-EM in Pieksämäki – Yvonne HUBER bis 61 kg
1992 – Junioren-EM in Jerusalem – Mariella SPACEK bis 66 kg
1998 – Junioren-EM in Bukarest – Sabrina FILZMOSER bis 52 kg
1998 – Junioren-EM in Bukarest – Claudia HEIL bis 63 kg
2004 – Jugend-EM in Rotterdam – Hedwig LECHENAUER bis 70 kg
2008 – Jugend-EM in Sarajewo – Kathrin UNTERWURZACHER bis 63 kg
2011 – Junioren-EM in Lommel – Bernadette GRAF bis 70 kg
2011 – U23-EM in Tjumen – Kathrin UNTERWURZACHER bis 63 kg
Kata

Beim Kongress der Europäischen Judo Union im Jahre 2004 wurde beschlossen, Kata-Europameisterschaften durchzuführen. Ursprünglich wurde die Ausrichtung der 1. Kata-Europameisterschaften an Spanien vergeben. Sie sollten am 15. und 16. Oktober 2005 in Madrid stattfinden. Der spanische Verband sah sich jedoch nicht in der Lage, diese Großveranstaltung auszutragen. Nach Ersuchen der EJU erklärte sich der Britische Judo Verband bereit, diese EM vor den European Masters Championships (Senioren-Europameisterschaften) zu organisieren. Die 1. Kata-Europameisterschaften fanden demnach vom 2. bis 5. November 2005 in London statt. Starten konnte jede bzw. jeder Judoka, welche 18 Jahre alt waren und mindestens den 1. Dan inne hatten. Zur Austragung kamen insgesamt 5 der offiziellen Kodokan-Kata (Nage-no-Kata, Kime-no-Kata, Katame-no-Kata, Goshin-jutsu-no-Kata und Ju-no-Kata). Österreich versuchte von Anfang an, auch in diesem Bewerb verteten zu sein. Auf nationaler Ebene wurden bereits von den Refernten große Anstregungen unternommen, diverse Kurse (Kata-Akademien) zu organisieren, um interessierte Teilnehmer nicht nur zu finden, sondern sie auch auf das verlangte Niveau auszurichten. Bei den ersten Kata-Europameisterschaften waren zwei Paare aus Österreich verteten. Adolf Zeltner und Erwin Häring vom JC Wimpassing Sparkasse (NÖ) belegten bei der Goshin-jutsu-no-Kata den hervorragenden 5. Platz. Das zweite Paar, René Fuger und Alexander Dick vom WAT-Stadlau (Wien) belegten bei der Kime-no-Kata den ausgezeichneten 7. Platz, mussten sich aber bei der Nage-no-Kata mit Rang 20 zufrieden geben. Ein weiterer Österreicher war bei diesen EM vertreten, und zwar als Wertungsrichter (Judge) fungierte Heinrich Erlinger. Im Jahre 2006 wurden die Kata-Europameisterschaften am 21. und 22. Oktober in Turnin ausgetragen. Auch hier waren zwei Paare aus Österreich mit dabei, diese konnten sich jedoch nicht für den Finaldurchgang qualifizieren. Etwas besser erging es dem einzigen Paar bei den Europameisterschaften 2007 in Wuppertal vom 11. bis 13. Mai. Dr. Franz Edlinger und Ing. Peter Klar aus Oberösterreich belegten immerhin den 12. Rang. Es gibt Bestrebungen der EJU für diese Bewerbe auch Weltmeisterschaften durchzusetzen, vielleicht sogar eine olympische Qualifikation zu erreichn. In Anbetracht solcher großen Ziele, ist es auch für ein kleines Land wie Österreich wichtig, in diesen Bewerben nicht den Anschluss zu verlieren bzw. diesen nicht zu verpassen und weitere große Anstrengungen zur Förderung der Judo-Kata zu unternehmen. weiter