Staatsmeisterschaften / Österreichische Meisterschaften

Einzel (nach Gewichtsklassen)

Während es in der Zwischenkriegszeit, während der ersten Blüte des Ju-Jitsu, nur vereinzelt zu ernstzunehmenden Vergleichskämpfen kam, nie jedoch zu einer Österreich weiten Meisterschaften, war es nach dem Zweiten Weltkrieg entschieden anders. Grund dafür dürfte vor allem gewesen sein, daß das alte System des Ju-Jitsu doch mehr zur Verteidigung geeignet war denn zum sportlich fairen Zweikampf. Solche Wettkämpfe wurden erst durch die Umstellung auf das moderne Judo möglich, das sich nach dem Krieg so richtig entfalten konnte. Noch in der Einbindung in den Kraftsportverband fand am 30. November 1947 nach aufwendigen und schwierigen Vorbereitungen die erste „Österreichische Staatsmeisterschaft 1947” in Wien statt. Die Bezeichnung „Staatsmeisterschaft” scheint heute unter der Tatsache, daß ausschließlich Wiener Vereine daran teilnahmen, etwas übertrieben. Herr Gabriel war bei dieser Meisterschaft nicht nur als aktiver Kämpfer tätig, sondern mußte auch als Kampfrichter agieren. Vereine aus den Bundesländern waren erstmals für die am 17. Oktober 1948 in Wien 6., Königseggasse 10, stattfindende Judo-Einzelmeisterschaft von Österreich 1948 gemeldet. Jedoch wurde vermerkt, daß die beiden Salzburger Klubs (Judo-Klub Salzburg und Turn- und Sportverein Austria) wegen finanzieller Schwierigkeiten an dieser Meisterschaft nicht teilnehmen konnten. Somit war diese Meisterschaft wieder ein Kräftevergleich ausschließlich zwischen Wiener Vereinen. Erst im Jahre 1949 traten Judoka aus Salzburg bei der Österreichischen Meisterschaft an, jedoch konnte sie sich nicht durchsetzen. Also seit dieser Zeit nehmen regelmäßig auch Judoka aus den Bundesländern an Österreichischen Meisterschaften, heute Staatsmeisterschaften, teil. Lediglich der Austragungsmodus wurde im Lauf der Zeit immer wieder abgeändert. So gab es bis 1951 fünf Gewichtsklassen, ab 1952 Kyu- und Dan-Klassen und später wieder nur Gewichtsklassen.

Einzel (ohne Gewichtsklassen)

Mit der Austragung von Meisterschaften nach Gewichtsklassen war man aber nicht zufrieden. Nach guter alter japanischer Sitte, wollte man auch bei einem Bewerb einen Meister ermitteln, bei dem es nicht auf die Gewichtsbeschränkung ankommt. Deshalb fand vom 16. bis 19. Februar 1950 erstmals eine Staatsmeisterschaft ohne Berücksichtigung des Körpergewichtes der Kämpfer (Individuelle Klasse) statt. Sieger dieser Meisterschaft wurde Robert Jaquemond . Die Besonderheit dieser Meisterschaft ist, daß der Bewerb eigentlich für 1949 gültig ist. Denn jene Meisterschaft, die den „Österreichischen Meister 1950” ermitteln sollte, wurde am 20. und 22. Oktober 1950 ausgetragen. Sieger wurde bei dieser Meisterschaft nicht der schwerste, sondern einer der leichtesten Athleten, nämlich Friedrich Lugstein .

Ab 1952, als die Regelung mit den Grad-Klassen eingeführt wurde, gab es ab 1954 auch eine „Individuelle Klasse” für Dan-Träger und für den 1. Kyu. Jedoch auf Grund unregelmäßiger Nennungen konnte diese Klasse des öfteren nicht ausgetragen werden, sodaß man sich schließlich 1966 entschloß, diese Meisterschaft zum letzten Mal durchzuführen.

Mannschaft

Obwohl schon seit 1946 Mannschaftskämpfen nachzuweisen sind, wurde die erste Judo-Mannschaftsmeisterschaft von Österreich vom 25. November bis 5. Dezember 1948 in der Halle Michelbeuern (Währinger Gürtel 40) ausgetragen. Mannschaftsmeister wurde der Postsportverein Wien, nach dem er seine Überlegenheit gegenüber seinen Konkurrenten unter beweis stellte, obwohl die Mannschaft nur aus 3 Athleten bestand. Es beteiligten sich außer dem Postsportverein Wien der JC-Straßenbahn (WVB), JC-Wien I (2.) und II (3.), JC-Austria. Da der Postsportverein Wien nur drei Mann für die Mannschaftsmeisterschaft nannte, nämlich im Federgewicht Edmund Gabriel, im Leichtgewicht Erich Nicham (Ersatz: Alfred Olbort ) und im Mittelgewicht Alfred Voyta, kam der Sieg äußerst überraschend. Dementsprechend berichteten die Tageszeitungen über diese Meisterschaft.

In weiterer Folge kam es jedoch zu Unregelmäßigkeiten bei der Austragung der Mannschaftsmeisterschaft. 1949 bis 1951 kam es wegen „verschiedener technischer Schwierigkeiten der Vereine” zu keiner Meisterschaft. Darunter waren offensichtlich die schlechte finanzielle Situation sowohl des Verbandes, als auch der Vereine, die geringe Starterzahl bzw. zu geringe Anzahl der Mannschaften und das unzureichende Raumangebot zu verstehen. Erst am 30. November 1952 kam es zu einer abermaligen Austragung der Mannschaftsmeisterschaft. Es folgten aber immer wieder Unterbrechungen. Erst seit 1964 kommt es zu einer regelmäßigen Austragung der Mannschaftsmeisterschaft von Österreich. Man entschloß sich dann dieser Meisterschaft ein neues Gesicht zu geben und benannte sie in „Staatsliga” um. Der erste Bewerb unter dieser Bezeichnung fand am 3. November 1968 statt. Erster Staatsliga-Meister wurde 1969 die Polizeisportvereinigung Salzburg . Dieser Bewerb wurde mit der Zeit immer populärer und mußte später in eine „A- und B-Liga” unterteilt werden. 1993 wurde beschlossen den Ligen einen neuen Namen zu geben. Sie heißen seither „Staatsliga bzw. Bundesliga” (= Oberliga, früher Staatsliga A) und „Nationalliga” (= Unterliga, früher Staatsliga B).

Frauen

Frauen waren im Judo schon immer vertreten. Eine gewisse Gerda FORST soll in der Zwischenkriegszeit sogar geprüfte Ju-Jitsu-Lehrerin gewesen sein. Jedenfalls läßt sich die Mitgliedschaft von Frauen in Vereinen nach dem Zweiten Weltkrieg bis in das Jahr 1948 zurückverfolgen. Der Schwerpunkt lag sicherlich anfangs bei der Selbstverteidigung. Der Kampf wurde für Frauen als nicht unbedingt geeignet empfunden. Frauen sollten sich vor allem graziös, anmutig und ästhetisch bewegen. Der Kampf selbst galt als zu roh für eine Frau. Doch mit dem Anstieg der weiblichen Judoka in den einzelnen Verbänden gab es immer wieder Forderungen, auch für Frauen den Wettkampf zuzulassen. In der Statistik des LV-Wien, zum Beispiel, schienen 1963 bereits 75 Frauen auf. In Österreich war auf diesem Gebiet Frau Edith Felsinger die maßgebende Pionierin. Sie organisierte 1964 im Trainingslokal des Sportvereines der ÖMV in Wien 2., Große Stadtgutgasse 11, ein „Damen-Kader-Training” unter der Leitung von Mahito Ohgo (4. Dan). Zu diesem „Kadertraining” waren „Frauen und Mädchen von Wien und Umgebung” eingeladen, „welche den 4. Kyu-Grad erreicht” hatten.

Durch dieses wachsende Interesse des weiblichen Geschlechts kam es schließlich nach einigen Zwischenstufen am 1. Dezember 1973 in Wels (OÖ) zur ersten Staatsmeisterschaft für Frauen. Es nahmen 74 Damen aus fünf Bundesländern daran teil. Das öffentliche Interesse war dermaßen groß, daß auch das Fernsehen anwesend war. Seither findet die Staatsmeisterschaft für Frauen jährlich statt. Und seit 1981 gibt es auch eine Mannschaftsmeisterschaft für Frauen, die seit 1996 ebenfalls als „Staatsliga” bezeichnet wird.

Kata

„Kata” (übersetzt etwa „Form”) ist eine traditionelle Art, Techniken in vorher festgelegter Reihenfolge und Ausführungsweise zu demonstrieren. Dabei muß auch ein bestimmtes Zeremoniell beachtet werden. Die Austragung eines österreichischen Kata-Bewerbes ist relativ jung. Obwohl Ansätze dazu schon sehr früh unternommen wurden. Bereits 1963 wurde eine sogenannte „1. Damen-Kata-Meisterschaft” in Wien ausgetragen. Sie galt als „Damenbewerb” im Rahmen der damaligen Staatsmeisterschaften, da es eine solche für Frauen noch nicht gab. Siegerin wurde Frau Edith Felsinger (ihre Partnerin konnte leider nicht ermittelt werden). Während es in anderen europäischen Ländern, etwa Deutschland, schon seit mehr als 20 Jahren eine Kata-Meisterschaft gibt, konnte man sich im ÖJV erst vor einigen Jahren mit dieser Idee anfreunden.

Die „1. Österreichische Kata-Meisterschaft” fand schließlich am 7. September 1997 in Henndorf statt. Sieger wurden hier Erwin Schön (UKJ-DSG Wien) und Wolfgang Ehrenzweig (WAT-Stadlau Wien). Die zweite „Kata-Meisterschaft” wurde am 21. und 24. Mai 1998 in Salzburg ausgetragen. Sie konnte von Gernot Frei und Taro Netzer (beide Tirol) gewonnen werden. 1999 fand die Kata-Meisterschaft in Osttiroler Ort Matrei statt. Und am 15. Oktober 2000 wurde die „Kata-Meisterschaft” in Mattersburg (Burgenland) ausgetragen.

Im Jahre 2004 wurde von der EJU beschlossen, Kata-Europameisterschaften durchzuführen. Demnach musste auch die Arbeit auf diesem Sektor auf heimischen Boden intensiviert werden, um Interessenten, aber auch die zukünftigen Dan-Träger auf die verlangten Standards auszurichten. So wurde vom Prüfungsreferneten des ÖDK ab 29. Jänner 2005 eine Kata-Akademie ins Leben gerufen. Unterrichtet wurden alle bei den Meisterschaften vorzutragenden Kata. Das Interesse hielt sich vorerst noch in Grenzen, dennoch ließ die Reaktion der Teilnehmer positive Eindrücke für künftige derartige Veranstaltungen zurück. Zunächst war die Kata-Akademie regionalbezogen. Erstmals fand sie in Wien statt, um die Bundesländer im östlichen und eventuell südlichen Bereich abzudecken. 2006 wurde die Kata-Akademie in Öberösterreich durchgeführt um mehr die Zentralgebiete anzusprechen. 2007 boten sie die Landesverbände Kärnten und Steiermark in einer Kooperation an, gemeinsam die Akademie auszurichten. Wie bei jedem neuen Projekt, so gab es auch hier Rückschläge. Einige Teile des Kurses mussten mangels an Teilnhemrn leider abgesagt werden.

Dennoch wird alles unternommen, um den Stellwert der Kata bei den Sportausübenden zu heben. Daher wurden die Österreichischen Meisterschaften 2006 erstmals international ausgeschrieben und zudem wurden die Meister in drei der sieben offiziellen Kodokan-Kata ermittelt. Es gab daher am 10. Dezember Meisterschaften in der Nage-no-Kata, der Katame-no-Kata und in der Goshin-jutsu-no-Kata. Teilgenommen haben 17 Judoka aus drei Nationen (AUT, GBR, SUI). Die Organisation wurde hervorragend durch den SV Gallneukrichen durchgefürt. So gab es neben den österreichischen Meistern auch internationale Kata-Meister. Im gleichen Jahr hat die BSO beschlossen, die Meisterschaften in der Wurfkata (Nage-no-Kata) ab dem Jahr 2007 in den Rang von Staatsmeisterschaften zu heben.

Es ist zu hoffen, dass sich dieser Bewerb in Zukunft noch stärker und durchsetzen kann. International sind auf jeden Fall Bestrebungen im Gange, neben Europameisterschaften, auch Weltmeisterschaften für Kata zu organisieren.

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